107. Karfreitagskonzert

18. und 19. April 2019
Kirche St. Johann Schaffhausen

 

 

Johann Sebastian Bach

Johannespassion


Johann Sebastian Bach vereinigt in seinem grossen Werk Johannes-Passion (BWV
245) die lange Tradition der musikalischen Passionsgeschichte und bringt sie in eine
neue, vollendete Form, die bis heute an Ausdruck und Intensität nichts eingebüsst
hat.

Erleben Sie die eindringliche Schilderung des Leidens und Sterbens Christi mit
einem engagierten Chor und hochkarätigen, vorwiegend jungen Solisten, begleitet
von einem professionellen, international besetzten Orchester.

Mitwirkende

Julia Weber, Sopran
Stefan Wieland, Altus
Remy Burnens, Tenor
Robert Koller, Bass-Bariton
Reinhard Strebel, Bass

Schaffhauser Oratorienchor
Württembergische Sinfoniker
Peter Leu, Orgel

Kurt Müller Klusman, Leitung


Zum Werk

Johann Sebastian Bach (1685–1750) knüpft mit seiner Johannes-Passion (BWV 245) an die alte Tradition an, wonach die Leidensgeschichte Jesu im Gottesdienst mit verteilten Rollen gelesen wurde. In der protestantischen Liturgie konnten sich später zahlreiche vertonte Fassungen weiterentwickeln.

Das Werk fusst auf dem biblischen Bericht von der Gefangennahme und Kreuzigung Jesu nach dem Evangelium des Johannes. Bibeltexte wechseln sich dabei mit freier Dichtung ab. Verschiedene Gestaltungselemente bereichern die eindrückliche Komposition: Die Rezitative haben die dramaturgische Aufgabe, die Handlung zu erzählen, affektvolle Turbae-Chöre lassen die Menschenmenge zu Wort kommen. Die Choräle markieren Momente der Besinnung und betrachten das Geschehen aus der Perspektive der Gläubigen. Bei diesen Passagen stiess die Gemeinde zu Zeiten Bachs auf bereits bekannte Texte und Melodien. Die verhältnismässig wenigen Arien sind ebenfalls Orte der Betrachtung und der Empfindung. Ermahnend wird das Werk durch einen aufwändigen Eingangs- und Schlusschor eingefasst.

Die Johannes-Passion ist stark von Gegensätzen gekennzeichnet: Neben der Trauer und dem Schmerz über Tod und Verlust sind immer auch die Gewissheit der Gottesnähe und der Gnade, die Ermunterung zur Nachfolge und der Glaube an die Auferstehung präsent.

Neben der Matthäus-Passion ist sie die einzige vollständig erhaltene und nachweislich von Bach stammende Passion. Die Johannes-Passion wurde am Karfreitag 1724 in der Kirche St. Nikolai in Leipzig uraufgeführt und in den folgenden 25 Jahren vom Komponisten mehrmals für weitere Aufführungen überarbeitet.


Solisten

Julia Weber, Sopran

Julia Weber begann ihre Gesangsausbildung bei Andreas J. Baumberger in Zürich und studiert zur Zeit bei Frau Prof. KS Linda Watson an der Musik- und Kunstuniversität der Stadt Wien im vierten Bachelorjahr.

Seit Februar 2015 ist sie Mitglied des Jungen Musiktheaters Zürich, wo sie als Bastienne in Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel Bastien und Bastienne zu hören war, sowie die Rolle der Despina in Mozarts Così fan tutte einstudierte.

Weitere solistische Erfahrungen sammelte sie bei Konzerten mit der Kantorei St. Peter in Zürich, dem Jugendchor Zürich in der Tonhalle Zürich und bei diversen szenischen Projekten in Zürich und Wien. Im Frühjahr 2017 war sie in Wien als Dardanea in Christoph Willibald Glucks Die Pilger von Mekka zu hören.

Am Schlusskonzert der 82. Musikwoche Braunwald (2017) sang Julia Weber die Solopartien in Antonio Vivaldis Credo (RV 591) und Dixit Dominus (RV 595) unter Kurt Müller Klusman.

Am Karfreitagskonzert 2018 verkörperte sie in Schaffhausen ebenfalls unter der Leitung von Kurt Müller Klusman die Rolle der Merab in Georg Friedrich Händels Saul. Im Februar 2019 übernahm sie die Sopranpartie in Felix Mendelssohns Paulus in der Tonhalle Maag.

In diesem Frühjahr wird sie zudem erstmals die Frau Herz in der zusammengesetzten Oper Der Schauspieldirektor probt Zaide von Wolfgang Amadeus Mozart in Wien singen.

Stefan Wieland, Altus

Der 1987 geborene Altus Stefan Wieland studierte bei Prof. Peter Brechbühler an der Hochschule Luzern – Musik im Studiengang Master of Arts in Solo-Performance, den er mit Auszeichnung abschloss. Nach dem Vorstudium an der HSLU-Musik begann er sein Vollzeitstudium mit dem Stimmfach Bariton. Nach dem Wechsel zum Tenorfach kam dann im Herbst 2011 die Entscheidung, das Stimmfach erneut zu wechseln.

Weitere sängerische Impulse erhielt er von Margreet Honig. Mit Meisterkursen bei Ton Koopman, Angelika Lutz und Margreet Honig sowie Opernprojekten mit Regina Heer, Matthias Behrends, Christine Cyris, Björn B. Bugiel und Gisela Nyfeler sammelte er wichtige Erfahrungen.

Stefan Wieland ist Preisträger der Elvira-Lüthi-Wegmann-Stiftung. Im Januar 2017 gab er sein Debüt als Prinz Orlofsky in der Operette Die Fledermaus am Stadttheater Sursee und im Sommer als Teseo in einem barocken Pasticcio mit Musik von Claudio Monteverdi. Ebenfalls im Sommer 2017 debütierte Stefan Wieland mit dem Luzerner Sinfonieorchester im KKL Luzern und beim Lucerne Festival mit einer Messe von Charpentier.

Stefan Wieland ist Mitglied des renommierten Ensemble Corund aus Luzern, und gehört zur Stammbesetzung des Schütz-Zyklus Luzern unter der Leitung von Ludwig Wicki.

Sein Repertoire umfasst nicht nur die barocke Oper, sondern erstreckt sich von klassischen Mozartpartien (Farnace, Ascanio, Sesto) bis hin zu zeitgenössischen Werken (Indianerlieder) und auch romantischen Liedern.

Neben seiner Gesangstätigkeit ist Stefan Wieland auch noch als Regisseur unterwegs. Im Sommer gelangt seine Inszenierung des Stückes Amadeus von Peter Shaffer in Nidwalden und Obwalden zur Aufführung. Weitere Engagements führen ihn im selben Jahr an die Märli-Biini Stans und das Theater Giswil.

Remy Burnens, Tenor

Der junge lyrische Tenor Remy Burnens ist in der Schweiz und Europa tätig. Der Berner mit waadtländischen Wurzeln studierte bei Peter Brechbühler in Luzern und bei Malcolm Walker in Paris.

In der Spielzeit 2018/2019 ist er als Ferrando in Wolfgang Amadeus Mozarts Così fan tutte (Neues Theater Dornach) und als Mitglied des Ensembles am Staatstheater Meiningen in Rollen wie Belmonte in Mozarts Entführung aus dem Serail, Volksredner in Othmar Schoecks Das Schloss Dürande, Walther von der Vogelweide in Richard Wagners Tannhäuser und als Tenorsolist in Franz Liszts Faust-Symphonie zu sehen. 2017/2018 gastierte er als Tonio in Gaetano Donizettis La Fille du Régiment am Musiktheater Wil und als Weisser Minister in György Ligetis Le Grand Macabre am Luzerner Theater.

Als gefragter Konzertsänger tritt Remy Burnens in der ganzen Schweiz als Solist auf. Regelmässige Auftritte im KKL Luzern, der Tonhalle Maag sowie in den Konzertkirchen der Schweiz geben ihm die Möglichkeit, an einem breit gefächerten Repertoire zu arbeiten: Neben den grossen Tenorpartien in Georg Friedrich Händels Oratorien wirkt er als Evangelist in Johann Sebastian Bachs Passionen oder als Tenor in Felix Mendelssohns Paulus mit. Er ist ausserdem oft als Solist in Messen oder Bach-Kantaten zu hören. Er widmet sich zudem intensiv dem Liedgesang und gestaltet regelmässig Liederabende mit der Pianistin Clémence Hirt.

Er war Finalist beim 9. Internationalen Cesti Gesangswettbewerb für Barockoper 2018. Ausserdem ist er Studienpreisträger des Migros Kulturprozent 2017, Gewinner des Edwin Fischer-Gedenkpreises 2017, Preisträger der Stiftung für junge Musiktalente Meggen 2016/2017 sowie Stipendiat der Friedl Wald Stiftung Basel (2015).

Robert Koller, Bass-Bariton

Robert Koller sang u.a. als Bass-Solist in Georg Friedrich Händels Siroe, re di Persia an der Musikhalle Hamburg und der Zellerbach Hall (San Francisco) mit dem Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon sowie an der Styriarte Graz unter Jordi Savall.

Die Semperoper Dresden engagierte ihn 2012 für die Titelrolle in El Cimarrón von Hans Werner Henze. 2013 war er an den Ittinger Pfingsttagen und 2014 an der Alten Oper Frankfurt als Solist unter Heinz Holliger zu hören.

2015 bestritt er das Bass-Solo in Ludwig van Beethovens 9. Symphonie in der Berliner Philharmonie und im Aichi Arts Center (Japan), darauf in Dunkle Spiegel von Heinz Holliger am Musikfest Goldberg-Variationen in der Alten Oper Frankfurt, 2016 die Hauptrolle in der Oper Künstliche Mutter von Michael Roth am Lucerne Festival sowie danach die Solopartien in Felix Mendelssohns Walpurgisnacht mit dem Tonhalle Orchester Zürich und den Solopart in Sombre von Kaija Saariaho an den Schwetzinger SWR-Festspielen.

2017 sang Robert Koller den Noah in Noye's Fludde von Benjamin Britten mit dem Sinfonieorchester Basel, die Beethovens 9. Symphonie im Kulturcasino Bern sowie die Hauptrolle in Luthers Träume von Siegfried Matthus mit dem Brandenburgischen Staatsorchester.

2018 bestritt er als Solobariton mit dem Sinfonieorchester Basel Werke von Felix Mendelssohn, Max Bruch und Robert Schumann, es folgen Beethovens 9. Symphonie in Toyota City (Japan) und Giacomo Puccinis Messa di Gloria in der Tonhalle St. Gallen sowie kürzlich Joseph Haydns Die Schöpfung mit dem Kammerorchester Basel und Arthur Honeggers La danse des morts mit der Jenaer Philharmonie.

Reinhard Strebel, Bass

Reinhard Strebel erhielt bereits am Lehrerseminar Klavier-, Posaunen- und Orgelunterricht. Zunächst aber lernte er den Beruf des Psychiatriepflegers.

Seine erste Gesangslehrerin Kari Lövaas motivierte ihn für ein Gesangsstudium, das er in Zürich und Luzern absolvierte und bei Hermann Fischer mit dem Lehrdiplom mit Auszeichnung abschloss. Es folgte ein Studienaufenthalt in Berlin bei Prof. Markus Köhler. Weitere sängerische Impulse erhielt er u.a. von Denis Hall, Bern, und Rodolfo Mertens, St. Gallen.

Strebel verfügt über eine grosse Konzerterfahrung mit einem breiten Repertoire von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Musik. Liederabende – vor allem das romantische Liedgut – und Konzerte mit professionellen Ensembles bereichern seine sängerische Tätigkeit.

Seine langjährige Unterrichtserfahrung sammelte der Sänger u.a. am Konservatorium in Winterthur und an der Musikschule in Baden. Heute unterrichtet Strebel privat in Schaffhausen. Daneben ist er seit 2008 Dozent für Sologesang an der Diözesanen Kirchenmusikschule St. Gallen.

Orchester

Württembergische Sinfoniker

Im Jahre 1985 gründeten Musiker führender württembergischer Orchester die «Württembergischen Sinfoniker». Die Idee dahinter war, den Chören des Landes und des nahen Auslands einen professionellen, leistungsstarken und flexiblen Klangkörper zur Seite zu stellen, der die hohen Erwartungen und Aufgaben mit Freude und Begeisterung erfüllen würde.

Die wiederkehrenden Einladungen zahlreicher Chöre aus dem süddeutschen Raum, aus Österreich und der Schweiz zeugen von der hohen Qualität und der Beliebtheit dieses Ensembles. Die Berufung der Musiker in dieses Ensemble ist bereits so begehrt, dass es für viele junge hochbegabte, aber bereits in internationalen Orchestern an ersten Pulten tätige Musiker eine Ehre und Freude ist mitzuwirken.

Seit 1999 mit nur wenigen Ausnahmen sind die Württembergischen Sinfoniker sozusagen das Orchester des Schaffhauser Oratorienchores. Die musikalisch wie auch menschlich harmonische Zusammenarbeit seit Anbeginn an wird durch die eindrücklichen und von anerkennenden Kritiken begleiteten Konzerte bestätigt.

2018 wurden die Württembergischen Sinfoniker nach Schleswig-Holstein eingeladen, um Joseph Haydns Werk Die Jahreszeiten zu begleiten. Aufgrund des grossen Erfolgs folgt 2019 dort die Aufführung von Haydns Die Schöpfung.

Peter Leu, Claviorganum

Peter Leu wurde 1955 in Schaffhausen geboren und wuchs in Merishausen/SH auf. Sein Mathematikstudium an der ETH Zürich schloss er mit dem Diplom ab und war danach bis 1986 als Mathematiklehrer an der Kantonsschule Schaffhausen tätig. Sein Lehrdiplom für Orgel erwarb er bei Dr. Theodor Käser beim schweizerischen musikpädagogischen Verband. Weitere Studien folgten bei André Luy in Lausanne und bei Monika Henking in Thalwil/Luzern. 1986/87 unternahm er einen Studienaufenthalt bei Daniel Roth in Paris. 1988 erwarb er das Konzertdiplom für Orgel an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik Luzern bei Monika Henking. Er bildete sich in Musiktheorie bei Joseph Haselbach und Gerald Bennett am Konservatorium Zürich weiter und schloss mit dem Diplom als Theorielehrer ab.

Seit 1988 ist Peter Leu Dozent für Musiktheorie an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik / Musikhochschule Luzern und ist als Orgellehrer am Musikkonservatorium Schaffhausen tätig. Seit 1991 wirkt er als Organist an der Stadtkirche St. Johann, seit 1995 zusätzlich am Münster Allerheiligen in Schaffhausen.